Dekarbonisierung in Deutschland - Ein Überblick

Die anthropogenen Treibhausgasemissionen (THG-Emissionen) entsprechen derzeit etwa 42 Mrd. tCO2 Äqui. pro Jahr (Referenz: 2017) [1], [2]. Zwar beträgt der Anteil Deutschlands daran gegenwärtig nur etwa 2 % [3], historisch gesehen ist Deutschland jedoch für einen deutlich größeren Emissionsausstoß verantwortlich. Demgemäß ist der Anteil Deutschlands an den Gesamtemissionen zwischen 1970 und 2017 auch knapp doppelt so hoch (~4%) [3]. Gerade aufgrund der historisch hohen emittierten Treibhausgase trägt Deutschland als entwickelte Industrienation eine besondere Verantwortung für die zukünftige Verminderung. Um die Erderwärmung auf 1,5 °C zu begrenzen, beträgt das deutsche Emissionsbudget nach [4] nur noch 4,6 Mrd. tCO2‑Äqui. und ist bei derzeitigem Ausstoß bereits im Jahr 2023 aufgebraucht.

Mit einer Emissionsminderung im Gesamtsystem um 28 % von 1 251 Mio. tCO2-Äqui. auf 907 Mio. tCO2‑Äqui. hat Deutschland zwischen 1990 und 2017 bereits einen ersten Schritt Richtung Klimaneutralität unternommen [5]. Dieser erste Schritt ist jedoch hauptsächlich auf die Steigerung der Effizienz und der damit verbundenen Reduktion des Brennstoffverbrauchs zurückzuführen. Um die ambitionierte Transformation hin zur Klimaneutralität zu bewerkstelligen, ist weiterhin ein erheblicher Kraftakt erforderlich. Nächste Schritte sehen vor [6], die THG-Emissionen bereits in 2030 auf 562 Mio. tCO2‑Äqui. (Verminderung um 55% ggü. 1990) und in 2050 auf 63‑250 Mio. tCO2‑Äqui. (Verminderung um 80%‑95% ggü. 1990) zu senken, um weitestgehende Treibhausgasneutralität zu gewährleisten.

Die deutschen Treibhausgase in nur 13 Jahren um 345 Mio. tCO2‑Äqui. zu senken, erscheint dabei durchaus ambitioniert, wurden die Emissionen zwischen 1990 und 2017 (27 Jahre) bei höheren verfügbaren Potenzialen zur Effizienzsteigerung doch nur um 344 Mio. tCO2‑Äqui. vermindert. Ambitionierte Ziele sind jedoch erforderlich, um zumindest das verbleibende Emissionsbudget zur Begrenzung der Erderwärmung auf 2°C nicht zu überschreiten, das bei derzeitigem Emissionsausstoß nur noch bis 2032 ausreicht.

Um eine 95 % THG-Verminderung in Deutschland bis 2050 und damit eine Reduzierung des jährlichen Emissionsausstoßes auf 63 Mio. tCO2‑Äqui. zu erreichen, sind weitreichende Veränderungen erforderlich [6]. Allein die Landwirtschaft emittierte im Jahr 2017 etwa 73 Mio. tCO2‑Äquivalente [6], in der neben Suffizienz kaum Optionen zur THG-Verminderung existieren. Ebenso sind die in der Industrie anfallenden prozessbedingten Emissionen in Höhe von 64 Mio. tCO2‑Äqui. in 2017 nur durch disruptive CO2-Verminderungstechnologien wie der CO2‑Abscheidung zu vermeiden [6]. Welchen Beitrag die einzelnen Sektoren letztendlich in 2050 leisten müssen, bleibt auch nach der Veröffentlichung des Klimaschutzplans 2050 unklar. Um die teils komplexen Zusammenhänge der deutschen Dekarbonisierungsstrategie bis 2050 und die Rückwirkungen auf die einzelnen Endenergiesektoren zu erklären, bietet Abbildung 1 einen vereinfachten Überblick zur historischen Emissionsentwicklung und den Zielsetzungen der Bundesregierung bis 2050.

 

InfografikAbbildung 1: Infografik Dekarbonisierung in Deutschland

 

Weitere Informationen:

 

Literatur:

[1]    Masson-Delmotte, Valérie et al.: Zusammenfassung für politische Entscheidungsträger - Ein IPCC-Sonderbericht über die Folgen einer globalen Erwärmung um 1,5 °C gegenüber vorindustriellem Niveau und die damit verbundenen globalen Treibhausgasemissionspfade im Zusammenhang mit einer Stärkung der weltweiten Reaktion auf die Bedrohung durch den Klimawandel, nachhaltiger Entwicklung und Anstrengungen zur Beseitigung von Armut. Genf: IPCC, 2018. 
[2]    IPCC-Sonderbericht über 1,5 °C globale Erwärmung - Ein IPCC-Sonderbericht über die Folgen einer globalen Erwärmung um 1,5 °C gegenüber vorindustriellem Niveau und die damit verbundenen globalen Treibhausgasemissionspfade im Zusammenhang mit einer Stärkung der weltweiten Reaktion auf die Bedrohung durch den Klimawandel, nachhaltiger Entwicklung und Anstrengungen zur Beseitigung von Armut. Bonn: Deutsche IPCC-Koordinierungsstelle, 2019.
[3]    M., Guizzardi, D., Schaaf, E., Crippa, M., Solazzo, E., Olivier, J.G.J., Vignati, E. Fossil CO2 emissions of all world countries - 2018 Report, EUR 29433 EN, Publications Office of the European Union, Luxembourg, 2018, ISBN 978-92-79-97240-9, doi:10.2760/30158, JRC113738.
[4]    Stefan, Rahmstorf: Wie viel CO2 kann Deutschland noch ausstoßen?. In: https://scilogs.spektrum.de/klimalounge/wie-viel-co2-kann-deutschland-noch-ausstossen/. (Abruf am 2020-03-13); Heidelberg: SciLogs, 2019.
[5]    Grafiken und Tabellen zur Klimabilanz 2018. In: https://www.umweltbundesamt.de/galerie/grafiken-tabellen-zur-klimabilanz-2018. (Abruf am 2020-03-13); Dessau-Roßlau: UBA, 2019.
[6]    Der Klimaschutzplan 2050 - Die deutsche Klimaschutzlangfriststrategie. In: https://www.bmu.de/themen/klima-energie/klimaschutz/nationale-klimapolitik/klimaschutzplan-2050/. (Abruf am 2020-03-13); Berlin: BMU, 2017.
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