Veränderte Büronutzung im Zuge von Corona – Energieeffizienter Betrieb von Bürogebäuden

Aufgrund der Corona-Pandemie wurde seit Frühjahr 2020 in vielen Unternehmen verstärkt auf Home-Office gesetzt. Seitdem liegt bei vielen Firmen eine deutlich reduzierte Gebäudebelegung vor. Je nach Branche zeichnet sich zudem ab, dass sich dieser Trend auch zukünftig fortsetzen könnte und unter Umständen nicht mehr das Niveau von vor Corona erreichen wird. Dies stellt neue und große Herausforderungen an die Technik sowie das Personal, vor diesem Hintergrund auch weiterhin einen energieeffizienten Gebäudebetrieb zu ermöglichen. Im Folgenden werden die Erkenntnisse der FfE aus neuesten Energieaudits auszugsweise vorgestellt.

Intelligenter Betrieb von Lüftungsanlagen

Ein Hauptenergieverbraucher in Bürogebäuden ist häufig die raumlufttechnische (RLT) Versorgung inklusive Temperierung und gegebenenfalls Klimatisierung der Nutzflächen. Um diese zu optimieren, ist es sinnvoll, die Betriebszeiten zu überprüfen und an den neuen Bedarf anzupassen – ebenso das benötigte Temperaturniveau oder die Wärmerückgewinnung im System.

Um einen energieeffizienten Gebäudebetrieb von Lüftungsanlagen bei gleichzeitig geringer Gebäudebelegung weiterhin zu gewährleisten, besteht eine Handlungsoption darin, nicht belegte Gebäudeabschnitte oder -etagen zum Beispiel mit Hilfe von Absperrklappen von der aktiven Raumluftversorgung zu entkoppeln. Für diese Bereiche erfolgt anschließend anstelle des regulären Luftvolumenstroms nur noch ein Grund-Luftaustausch. Auf diese Weise kann der Gesamtluftvolumenstrom einer Lüftungsanlage stark reduziert werden und als Folge davon der Strom-, Wärme- und gegebenenfalls Kältebedarf deutlich verringert werden.

In der folgenden Abbildung 1 ist eine schematische Darstellung für ein mehrstöckiges Bürogebäude mit unterschiedlichen Aufstellungsorten einer Lüftungsanlage dargestellt. In dem Beispiel werden Absperrklappen so positioniert, dass für alle Geschosse die Zu- und Abluftkanäle je nach Gebäudebelegung abgesperrt werden können.

 

Beispielhafte Positionierung der Absperrklappen zur Entkopplung der Geschosse

Abbildung 1: Beispielhafte Positionierung der Absperrklappen zur Entkoppelung der Geschosse

Im Rahmen einer Energiepotenzialanalyse eines 4‑stöckigen Bürogebäudes mit einem Nennvolumenstrom der Zuluft von etwa 20.000 m³/h wurden beispielsweise folgende Einsparpotenziale ermittelt:

  • Durch die Absperrung der entferntesten Etage zur Lüftungsanlage könnte der Nennvolumenstrom um ca. 16 % verringert werden, wodurch der Wärmebedarf um denselben Betrag und der Stromverbrauch um etwa 40 % reduziert werden könnten. Entsprechend ergäbe sich eine Energiekosteneinsparung von etwa 5.500 €/a.
  • Sollte aufgrund von verstärktem Homeoffice weiterhin primär nur eine Etage benötigt werden, könnte durch Absperrung aller anderen Etagen der Nennvolumenstrom um knapp 60 % verringert werden, wodurch der Wärmebedarf analog um denselben Betrag und der Stromverbrauch um über 90 % reduziert werden könnte. Dies entspräche einer Energiekosteneinsparung von über 16.000 €/a.

Um einzelne Bereiche bedarfsgerecht von der RLT-Versorgung entkoppeln zu können, ist es notwendig, ein intelligentes Sitzplanbuchungssystem einzuführen, mit dem die Mitarbeiterbelegung in den einzelnen Gebäudeteilen gesteuert werden kann. Ziel ist es, im Fall von Bürogebäuden, zunächst den Gebäudebereich, der in geringster Nähe zum Aufstellungsort der Lüftungsanlage ist, zu belegen und medientechnisch im Normalzustand zu versorgen (siehe Abbildung 1). Wenn eine Lüftungsanlage zum Beispiel auf dem Dach eines Bürogebäudes installiert ist, so sollte auch zuerst das oberste Geschoss belegt und erst sukzessive die darunterliegenden Bereiche (corona-konform) besetzt werden. Auf diese Weise kann das Bürogebäude wesentlich energieeffizienter raumlufttechnisch versorgt werden.

Standby-Verbrauch an Büroarbeitsplätzen

Ein weiterer Optimierungsbereich zum energieeffizienten Gebäudebetrieb infolge von Corona ist die Reduktion des Standby-Energieverbrauchs von Büroarbeitsplätzen, der unter Umständen wesentlich zum Grundlastverbrauch beiträgt. Dies kann durch eine Ausstattung der Arbeitsplätze mit intelligenten Mehrfach-Steckdosen – sogenannten Master-Slave-Steckdosen – realisiert werden. Auf diese Weise ist es möglich, den ganzjährigen Standby-Verbrauch der Gerätschaften (z. B. Dockingstationen mit Bildschirmen) auf den Eigenverbrauch der Steckdose zu reduzieren und große Anteile des dort entstehenden Stromverbrauchs einzusparen. Durch intelligente Mehrfachsteckdosen können, wenn z. B. der Bildschirm in den Standby-Betrieb geht, die anderen an die Steckdose angeschlossenen Geräte automatisch ausgeschaltet werden. Die Erlöse, die dadurch erzielbar sind, können die Investitionskosten innerhalb kürzester Zeit (bis zu unter einem Jahr) amortisieren.

Es zeigt sich, dass auch bei einer reduzierten Nutzung von Bürogebäuden infolge von verstärktem Homeoffice einige wirtschaftlich interessante Möglichkeiten bestehen, die Energieeffizienz von Bürogebäuden weiterhin zu optimieren.

Gerne unterstützt das Industrieteam der FfE bei der Identifikation unternehmensspezifischer Energieeinsparpotenziale und der Ableitung von geeigneten Maßnahmen zu deren Umsetzung. Sprechen Sie uns bei Fragen gerne an.

 

Weitere Informationen:

Um unsere Webseite für Sie optimal zu gestalten verwenden wir Cookies. Durch die weitere Nutzung der Webseite stimmen Sie der Verwendung von Cookies zu.
Weitere Informationen zu Cookies erhalten Sie in unserer Datenschutzerklärung.