Machbarkeitsstudie dynamische Tarifmodelle

Analysen im Projekt NEW 4.0

Aufgrund des erhöhten Flexibilitätsbedarfs im zukünftigen, von hoher erneuerbarer Erzeugung geprägten Energiesystem steigt die Relevanz kleinerer, dezentraler Flexibilitätsoptionen in Haushalten. Neben marktlichen Mechanismen und variablen Stromtarifen steht mit der direkten externen Steuerung entsprechender Geräte ein weiterer Ansatz zur Erschließung zur Verfügung. Im Rahmen des SINTEG-Projekts NEW 4.0 wird dieser von den Stadtwerken Norderstedt in der praktischen Umsetzung erprobt.

Das hier untersuchte Konzept basiert auf schaltbaren Schuko-Steckdosen, welche vom Kunden frei für flexibilisierbare Geräte genutzt werden können. Diese bieten dem Netzbetreiber damit die Möglichkeit, durch Zu- und Abschaltung die entsprechenden Lasten in die Engpassmanagementprozesse zu integrieren. Das Ziel dabei ist, die Notwendigkeit für Einspeisemanagementmaßnahmen durch eine Verbrauchsverschiebung von Haushaltsgeräten zu reduzieren. Als potenzielle zweite Anwendung ist auch die Verschiebung nach Spotmarktpreisen und damit eine Reduktion der Strombezugskosten möglich. Als Anreiz für den Kunden wird ein reduzierter Strompreis für schaltbare Geräte angeboten.

Zur näherungsweisen Bestimmung des Potenzials dieses Konzepts wurde eine Umfrage unter Haushaltskunden aus dem Netzgebiet der Stadtwerke Norderstedt durchgeführt. Die dabei gewonnenen Ergebnisse hinsichtlich Teilnahmebereitschaft, Kundenverhalten und Kundenpräferenzen ermöglichen es, die Steuerung, die damit erreichte Lastverlagerung sowie die Effekte auf abgeregelte Energie und mittlere Bezugskosten simulativ zu bestimmen. Hierfür wurde ein Modell entwickelt, welches das Verbrauchsverhalten privater Haushalte auf der Ebene einzelner Geräte sowie die Auswirkungen der externen Schaltvorgänge durch den Netzbetreiber abbildet. Für eine umfassende Bewertung wurde dabei sowohl der Status quo hinsichtlich Geräteausstattung und Strompreisen betrachtet, als auch eine Prognose für 2025 vorgenommen.

 

Abbildung

 

Die Ergebnisse zeigen, dass das dargestellte Konzept grundsätzlich geeignet ist, um eine Lastverlagerung im Haushaltsbereich zu erreichen. Die Gerätegruppen, welche gemäß Voranalyse und Umfrage für einen Betrieb an der schaltbaren Steckdose geeignet sind, weisen jedoch einen geringen Stromverbrauch auf, weshalb in allen untersuchten Szenarien die insgesamt verschobene Energie sehr gering ist. Die zu erwartenden Auswirkungen auf Einspeisemanagement oder Strombezugskosten sind somit ebenfalls kaum relevant. Dies zeigt, dass eine Erweiterung des Konzepts auf Gerätetypen mit höherem Energieverbrauch sinnvoll sein kann. Eine weitere Option sind garantierte Zuschaltzeiten, welche die Bereitschaft zur Teilnahme gemäß Umfrage deutlich erhöhen würden und so auch für ein vergrößertes Lastverlagerungspotenzial sorgen können.

Zusammenfassend ist festzuhalten, dass der Effekt der hier betrachteten Steuerung vergleichsweise gering ist, das grundsätzliche Konzept aber mit gewissen Anpassungen und Erweiterungen einen sinnvollen Beitrag zur Flexiblisierung im Haushaltssektor leisten kann.

 

Weitere Informationen:

 

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Erläuterung des Verbundprojekts NEW 4.0 – Norddeutsche EnergieWende.

Unter diesem Namen hat sich in Hamburg und Schleswig-Holstein eine einzigartige Projektinitiative aus Wirtschaft, Wissenschaft und Politik gebildet, die in einem länderübergreifenden Großprojekt eine nachhaltige Energieversorgung realisieren und zugleich die Zukunftsfähigkeit der Region stärken will. Rund 60 Partner bilden eine wirkungsvolle Innovationsallianz für das Jahrhundertprojekt Energiewende mit gebündeltem Know-how, unterstützt von den Landesregierungen beider Bundesländer. Gemeinsam legen sie den Entwicklungspfad zu dem Ziel, die Gesamtregion bis 2035 zu 100 Prozent mit regenerativem Strom zu versorgen – versorgungssicher, kostengünstig, gesellschaftlich akzeptiert und mit merklichen CO2-Einsparungen. Das Projekt wird im Rahmen des SINTEG-Programms vom BMWi gefördert.

Das Projekt soll bis Ende 2020 ein Ergebnis darüber liefern, ob es technisch möglich ist dynamische Stromtarife einzuführen, die eine WIN-WIN Situation für Kunde und Energieversorger darstellen. Ferner möchten wir von den Stadtwerken Norderstedt das soziale Verhalten studieren und schauen, ob es möglich ist, dass wir unsere Kunden dazu motivieren können ihr jetziges, recht eingefahrenes Verhalten zu ändern.

 

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